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Papierfabrikation in Trebsen

« 1888 »

Am 15.Oktober 1888 erwarb der fürstlich reuß. Kommerzienrat Gotthelf Friedrich Anton Wiede am westlichen Ufer der Vereinigten Mulde auf der Flur des Fischerdorfes Pauschwitz südlich der Stadt Trebsen die Rechte für den Ausbau der dortigen Wasserkraft. Gemeinsam mit seinen Söhnen Johannes und Alfred baute er sie zu einer Holzschleiferei und Papierfabrik aus; die Einrichtungen hierzu wurden 1892 bei der Maschinenfabrik Golzern bestellt. Die Papierfabrik erhielt den Namen "Wiede & Söhne".

« 1893 »

Am 9.November 1893 lief die Produktion mit 112 Mitarbeitern an, und dieser Termin gilt als der offizielle Gründungstermin. Produziert wurden auf zunächst einer Papiermaschine von 2,10m Arbeitsbreite holzhaltige und holzfreie Schreib- und Druckpapiere. Die Geschäftsführung oblag zunächst abwechselnd den Brüdern Johannes und Alfred Wiede. bis sie schließlich Johannes Wiede allein übertragen wurde.

« 1895 »

Am 1.Juli 1895, wurde eine zweite Papiermaschine in Betrieb genommen, gebaut von Füllner.

« 1896 »

Beginn der Strohzellstoff-Produktion im Natronverfahren.

« 1907-1909 »

Diese Zellstoff-Fabrik wurde 1907 erweitert, und im Jahre 1909 nahm man auch die Produktion von Holzzellstoff auf.

« 1911 »

Bereits am 11.Juli 1911 kam eine dritte Papiermaschine in Betrieb, Arbeitbreite 2,90m, wiederum hergestellt von der Maschinenfabrik Füllner.

« 1914-1918 »

Sogar während des ersten Weltkrieges konnte die Zellstoff-Fabrikation erweitert werden; unter Anderem produzierte man Spinnzellstoff und einen Strohzellstoff, der zur Herstellung von "Ersatzfutter" verwendet wurde. Die Mitarbeiterzahl betrug 565.

« 1920 »

Johannes Wiede wird alleiniger Besitzer.

« 1920-1921 »

Austausch der ersten beiden Papiermaschinen gegen neue mit Arbeitsbreiten von 2,20m und 2,80m, wiederum hergestellt von Füllner.

« 1929-1935 »

Ende der 1920er Jahre wurde die Zellstoff-Fabrik erneuert, und Mitte der 1930er Jahre wurde die Strohzellstoff- durch eine Sulfatzellstoff-Fabrik für Holz ersetzt.
Um noch weiter wachsende Arbeiterschaft unterzubringen, ließ die Firma Arbeiterwohnhäuser errichten, und 1930 stiftete Johannes Wiede eine Sport- und Kulturstätte

« 1939 »

Am 14.Juni 1939 starb Johannes Wiede; ihm folgte als Geschäftsführer sein Sohn Anton.

« 1941 »

Beginn der Erzeugung von Kiefern-Kraftzellstoff, man machte die ersten Versuche zur Herstellung von Sackpapier.

« 1943 »

wurde das 50jährige Bestehen begangen. In seiner Festrede führte Anton Wiede, Sohn von Johannes Wiede, unter anderem aus:

"... Meine Gefolgschaft, die wie eine Familie verbunden durch gute und schwere Zeiten so vorbildlich fest und unerschütterlich mit uns zusammengehalten hat, soll an dieser Stelle zum heutigen Ehrentage gleichsam meinen tiefsten Dank und meine hohe Anerkennung für die treu geleistete Arbeit und den nimmermüden Fleiß von mir entgegennehmen. ... Wir sahen nie nach liberalistischer Auffassung in der Maschine die Seele des Betriebes, sondern im Menschen, der hier wirkt und schafft. ...."

Über den kurz danach begonnenen und inzwischen drei Jahre währenden zweiten Weltkrieg sagte er dann:

"... Einige Monate später machten sich neue bedeutende Umstellungen im Betriebe durch den inzwischen eingetretenen Kriegszustand erforderlich, ... . Neue Verordnungen stellten mich nun vor die Aufgabe, das Betriebsleben, den Arbeitseinsatz, die Rohstoffauswertung mit all den nun erforderlichen Einsparungen in neue, der Kriegswirtschaft angepasste Bahnen zu leiten. Viele Mitglieder der Gefolgschaft mussten infolge Heeresdienst und Dienstverpflichtung ihren Arbeitsplatz hier verlassen. Trotzdem ist es aber gelungen, Frauen und Rentner zu finden, die in die gerissene Bresche einsprangen und einsatzfreudig einige verwaiste Arbeitsplätze ausfüllen halfen. Infolge der Kriegswichtigkeit unserer Erzeugnisse wurden uns zur Aufrechterhaltung unseres Betriebes fremdländische Arbeitskräfte zugewiesen, die allerdings nicht als voller Ersatz für die vielen fehlenden Facharbeiter gelten konnten. ....... Die Entwicklung der technischen Seite war naturgemäß durch die Kriegsverordnungen in gewisse Schranken gewiesen. Mancher ausgearbeitete Plan eines Neu- oder Umbaues musste zurückgestellt werden, doch machte die Umstellung unserer Erzeugnisse auf die Kriegsproduktion viele maschinelle Veränderungen nötig, die trotz größter Schwierigkeiten aber mit besonderer Energie doch durchgeführt werden konnten. Die von mir angeregte Erzeugung von Sackpapier, dem heute eine besonders vordringliche Bedeutung zufällt, stieß bei den verantwortlichen Stellen in Berlin auf größtes Interesse. Und es ist ... nach wochenlangen Mühen und Versuchen mit meinen treuen Mitarbeitern gelungen, uns einen beachtlichen Platz unter den Fabriken im Reich, die dieses Spezialpapier herstellen, zu sichern. ..."

« 1945 »

Am 16.April 1945 rückten amerikanische Truppen in Trebsen ein; dies führte zunächst zur Stilllegung der Fabrik.

Auf Grund einer auf der Krimkonferenz in Jalta (04.-11.Febr.1945) getroffenen Vereinbarung über das militärische Vorgehen der Alliierten während der Schlussphase des Krieges stoppten die Amerikaner ihren Vormarsch an der Mulde. Die Papierfabrik erlangte insofern eine Bedeutung, als die zu ihr führende Muldebrücke (erbaut 1895) die einzige passierbare Brücke geblieben war. Diese benutzten die Amerikaner, um mit Patrouille-Fahrten das Gebiet östlich der Mulde zu erkunden. Dabei kam es am 25.April um 10,30 Uhr bei Leckwitz, etwa 2 km westlich von Strehla an der Elbe, zum ersten Treffen zwischen amerikanischen und russischen Soldaten, etwa 3½ Stunden früher als das berühmt gewordene Treffen bei Torgau.

Im Juli 1945 übernahmen die Russen Sachsen und damit auch Trebsen.

In der Trebsener Fabrik wurde die Produktion am 15.Juli 1945 wieder aufgenommen. Herr Anton Wiede musste Trebsen verlassen.

« 1946 »

Am 15.März 1946 begannen die Demontage und der Transport des Betriebes zur "Wiedergutmachung" in die Sowjetunion.

Bereits zwei Monate danach, nämlich am 15.Mai 1946, erteilte die sowjetische Militär-Verwaltung den Befehl, die bereits zur Hälfte abgebaute Zellstoff-Fabrik bis zum 1.Juli wieder aufzubauen. Ein paar Tage vor diesem Termin, am 27.06.1946, konnte mit der Zellstoff-Produktion wieder begonnen werden. Die Papiermaschinen blieben demontiert.

« 1947 »

Ab April 1947 lautete die Firma entsprechend "VEB Zellstoff- und Papierfabrik Trebsen". Sie war Mitglied der Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB), des späteren Kombinates Zellstoff und Papier in Heidenau.

« 1952 »

Die Zellstoffproduktion wurde vollständig auf Kraftzellstoff umgestellt; die Herstellung von Stroh-, Aspen- und Buchenholz-Zellstoff wurde aufgegeben.

« 1960 »

Inbetriebnahme der neuen, auf dem Strohplatz errichteten Sackpapiermaschine mit 4,08 m Arbeitsbreite, hergestellt vom VEB PAMA in Freiberg. Dabei handelte es sich um die bis dahin größte in der DDR projektierte und gebaute Papiermaschine.

« 1990 »

"VEB Zellstoff- und Papierfabrik Trebsen" wurde zur GmbH unter dem Dach der Dresden Papier AG umfirmiert, die wiederum der staatlichen Treuhandanstalt gehörte und aus dem bisherigen Kombinat Zellstoff und Papier in Heidenau bestand.
Ende September 1990 wurde die Zellstoff-Fabrik stillgelegt. Nach umfangreichen Investitionen (Bsp. Einbau einer Leimpresse und eines Obersiebes, neue Altpapieraufbereitung, neue Kläranlage, neue Dampferzeugung) erfolgte im November 1990 die Umstellung der Produktion auf Wellpappen-Rohpapier (4,20 m beschnittene Arbeitsbreite).

« 1993 »

Im September 1993 erwarb die Mercer International Inc. mit Sitz in Vancouver die Dresden Papier AG und damit auch die Trebsener Papierfabrik.

« 2000 »

Mit Wirkung vom 1.Juni 2000 kauften die Gesellschafter der Papierfabrik Julius Schulte Söhne in Düsseldorf, das heißt die Brüder Dieter, Gert und Eberhard Pothmann, von Mercer die Papierfabrik Trebsen. Produktionskapazität 65.000 to/a bei drei Sorten.

« 2001 »

Vollständige Erneuerung der Papiermaschine im Dezember 2001: Neue Ober- und Untersiebpartie, Stuhlung, Trockenpartie, Wärmerückgewinnung, Lufttechnik, Poperoller. Pressenpartieumbau mit neuer Schuhpresse, Umbau der Rollenschneidmaschine.

« 2002 »

Das Jahrhunderthochwasser im August 2002 traf die Papierfabrik nicht so stark wie andere, weil sie auf dem Hochufer der Mulde liegt.

« 2002-2005 »

Steigerung der Produktion auf 105.000 to/a und Erweiterung des Portfolios auf sieben Sorten.

« 2007 »

Erneuerung der Stoffbereitung.

« 2008 »

Umbau der Pressenpartie und Einbau eines neuen Stoffauflaufs. Erweiterung des Portfolios auf 12 Sorten.

« 2010 »

Inbetriebnahme der neuen Rollenschneidmaschine, des neuen Hallenkrans und des neuen anaerob Reaktors der Kläranlage. Erweiterung des Portfolios auf 19 Sorten.

« 2011 »

Ausbau der aeroben Abwasserreinigungsanlage. Inbetriebnahme der Biogasanlage und der Blockheizkraftwerke zur Stromerzeugung. Steigerung der Produktion auf 165.000 to/a.

« 2013 »

Umbau der Papiermaschine: Verlängerung der Trocken- und Siebpartie, neue Antriebe zur Erhöhung der Geschwindigkeit, neuer Poperoller, neues Glättwerk, neuer Combi-Sizer, Umbau Kondensatsystem, Anpassung Lufttechnik, Errichtung 2. Stärkesilo, Modernisierung der Feinsortierung.
Das zweite Jahrhunderthochwasser verlief ähnlich glimpflich wie 11 Jahre zuvor.


Julius Schulte
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