Tradition bringt
Wissen und Erfahrung!

Papier- und Zellstoff­produktion in Trebsen

An der Mulde seit 1893

Familien­tradition Schulte

Papiermacher seit dem 17. Jahrhundert

Die Geschichte der Julius Schulte Söhne GmbH & Co KG

Unser Partnerunternehmen aus Düsseldorf, bei dem alles 1886 begann

Standortchronik Trebsen

« Die ersten Jahre » (1888 – 1918)

« 1888 »
Am 15. Oktober 1888 erwarb der fürstlich reuß. Kommerzienrat Gotthelf Friedrich Anton Wiede am westlichen Ufer der Vereinigten Mulde auf der Flur des Fischerdorfes Pauschwitz südlich der Stadt Trebsen die Rechte für den Ausbau der dortigen Wasserkraft. Gemeinsam mit seinen Söhnen Johannes und Alfred baute er sie zu einer Holzschleiferei und Papierfabrik aus; die Einrichtungen hierzu wurden 1892 bei der Maschinenfabrik Golzern bestellt. Die Papierfabrik erhielt den Namen „Wiede & Söhne“.

« 1893 »
Am 9. November 1893 lief die Produktion mit 112 Mitarbeitern an, und dieser Termin gilt als der offizielle Gründungstermin. Produziert wurden auf zunächst einer Papiermaschine von 2,10m Arbeitsbreite holzhaltige und holzfreie Schreib- und Druckpapiere. Die Geschäftsführung oblag zunächst abwechselnd den Brüdern Johannes und Alfred Wiede. bis sie schließlich Johannes Wiede allein übertragen wurde.

« 1895 »
Am 1. Juli 1895, wurde eine zweite Papiermaschine in Betrieb genommen, gebaut von dem Papiermaschinenhersteller Füllner.

« 1896 »
1896 wurde die Produktion um die Strohzellstoff-Produktion im Natronverfahren erweitert.

« 1909 »
Im Jahre 1909 nahm man auch die Produktion von Holzzellstoff auf.

« 1911 »
Bereits am 11. Juli 1911 kam eine dritte Papiermaschine in Betrieb, Arbeitbreite 2,90m, wiederum hergestellt von dem Papiermaschinenhersteller Füllner.

« 1914 – 1918 »
Sogar während des ersten Weltkrieges konnte die Zellstoff-Fabrikation erweitert werden; unter Anderem produzierte man Spinnzellstoff und einen Strohzellstoff, der zur Herstellung von „Ersatzfutter“ verwendet wurde. Die Mitarbeiterzahl betrug 565.

« Johannes Wiede wird alleiniger Eigentümer » (1920 - 1945)

« 1920 »
Johannes Wiede übernimmt 1920 sämtliche Gesellschafteranteile.

« 1920 – 1921 »
Der Austausch der ersten beiden Papiermaschinen gegen Neue mit Arbeitsbreiten von 2,20 m und 2,80 m erfolgte ab 1920, die wiederum von dem Papiermaschinenhersteller Füllner geliefert wurden.

« 1929 – 1935 »
Ende der 1920er Jahre wurde die Zellstoff-Fabrik erneuert, und Mitte der 1930er Jahre wurde die Strohzellstoff- durch eine Sulfatzellstoff-Fabrik für Holz ersetzt. Um noch die weiter wachsende Arbeiterschaft unterzubringen, ließ Johannes Wiede Arbeiterwohnhäuser errichten. 1930 stiftete er eine Sport- und Kulturstätte

« 1939 »
Am 14. Juni 1939 starb Johannes Wiede; ihm folgte als Geschäftsführer sein Sohn Anton.

« 1941 »
In 1941 begann man mit der Erzeugung von Kiefern-Kraftzellstoff. Erste Versuche zur Herstellung von Sackpapier folgten im Anschluss.

« 1943 »
1943 wurde das 50-jährige Bestehen begangen.

« 1945 »
Am 16. April 1945 rückten amerikanische Truppen in Trebsen ein; dies führte zunächst zur Stilllegung der Fabrik. Auf Grund einer auf der Krimkonferenz in Jalta (04. – 11. Febr. 1945) getroffenen Vereinbarung über das militärische Vorgehen der Alliierten während der Schlussphase des Krieges stoppten die Amerikaner ihren Vormarsch an der Mulde. Die Papierfabrik erlangte insofern eine Bedeutung, als die zu ihr führende Muldebrücke (erbaut 1895) die einzige passierbare Brücke geblieben war. Diese benutzten die Amerikaner, um mit Patrouille-Fahrten das Gebiet östlich der Mulde zu erkunden. Dabei kam es am 25.April um 10,30 Uhr bei Leckwitz, etwa 2 km westlich von Strehla an der Elbe, zum ersten Treffen zwischen amerikanischen und russischen Soldaten, etwa 3½ Stunden früher als das berühmt gewordene Treffen bei Torgau.

Im Juli 1945 übernahmen die Russen Sachsen und damit auch Trebsen.

In der Trebsener Fabrik wurde die Produktion am 15. Juli 1945 wiederaufgenommen. Herr Anton Wiede musste Trebsen verlassen.

« Nachkriegsjahre und sozialistische Produktion » (1946 - 1989)

« 1946 »
Am 15. März 1946 begannen die Demontage und der Transport des Betriebes zur „Wiedergutmachung“ in die Sowjetunion.
Bereits zwei Monate danach, nämlich am 15. Mai 1946, erteilte die sowjetische Militär-Verwaltung den Befehl, die bereits zur Hälfte abgebaute Zellstoff-Fabrik bis zum 1.Juli wiederaufzubauen. Ein paar Tage vor diesem Termin, am 27.06.1946, konnte mit der Zellstoff-Produktion wieder begonnen werden. Die Papiermaschinen blieben demontiert.

« 1947 »
Ab April 1947 lautete die Firma entsprechend „VEB Zellstoff- und Papierfabrik Trebsen“. Sie war Mitglied der Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB), des späteren Kombinates Zellstoff und Papier in Heidenau.

« 1952 »
Die Zellstoffproduktion wurde vollständig auf Kraftzellstoff umgestellt; die Herstellung von Stroh-, Aspen- und Buchenholz-Zellstoff wurde aufgegeben.

« 1960 »
Inbetriebnahme der neuen, auf dem Strohplatz errichteten Sackpapiermaschine mit 4,08 m Arbeitsbreite, hergestellt vom VEB PAMA in Freiberg. Dabei handelte es sich um die bis dahin größte in der DDR projektierte und gebaute Papiermaschine.

« Mit neuer Ausrichtung konkurrenzfähig in die Zukunft » (1990 - 2013)

« 1990 »
„VEB Zellstoff- und Papierfabrik Trebsen“ wurde zur GmbH unter dem Dach der Dresden Papier AG umfirmiert, die wiederum der staatlichen Treuhandanstalt gehörte und aus dem bisherigen Kombinat Zellstoff und Papier in Heidenau bestand.
Ende September 1990 wurde die Zellstoff-Fabrik stillgelegt. Nach umfangreichen Investitionen (Bsp. Einbau einer Leimpresse und eines Obersiebes, neue Altpapieraufbereitung, neue Kläranlage, neue Dampferzeugung) erfolgte im November 1990 die Umstellung der Produktion auf Wellpappen-Rohpapier (4,20 m beschnittene Arbeitsbreite).

« 1993 »
Im September 1993 erwarb die Mercer International Inc. mit Sitz in Vancouver die Dresden Papier AG und damit auch die Trebsener Papierfabrik.

« 2000 »
Mit Wirkung vom 1.Juni 2000 kauften die Gesellschafter der Papierfabrik Julius Schulte Söhne in Düsseldorf, das heißt die Brüder Dieter, Gert und Eberhard Pothmann, von Mercer die Papierfabrik Trebsen. Produktionskapazität 65.000 t/a.

« 2001 »
Im Dezember 2021 erfolgte eine vollständige Erneuerung der Papiermaschine: Neue Ober- und Untersiebpartie, Stuhlung, Trockenpartie, Wärmerückgewinnung, Lufttechnik, Poperoller. Pressenpartieumbau mit neuer Schuhpresse, Umbau der Rollenschneidmaschine.

« 2002 »
Das Jahrhunderthochwasser im August 2002 traf die Papierfabrik nicht so stark wie andere, weil sie auf dem Hochufer der Mulde liegt.

« 2002 – 2005 »
Die Produktion konnte schrittweise auf 105.000 t/a erweitert werden. Das Produkt-Portfolio wurde von anfänglich drei Sorten auf sieben ausgebaut.

« 2007 – 2008 »
Weitere Investitionsschritte waren nötig und sinnvoll geworden: Erneuerung der Stoffbereitung,
Umbau der Pressenpartie und Einbau eines neuen Stoffauflaufs. Die Erweiterung des Portfolios schritt voran und konnte auf 12 Sorten ausgebaut werden.

« 2010 »
Im Laufe 2010 erfolgte Inbetriebnahme der neuen Rollenschneidmaschine, des neuen Hallenkrans und des neuen anaerob Reaktors der Kläranlage. Das Sortenspektrum wurde auf 19 gesteigert.

« 2011 »
Durch die Investitionsschritte der voran gegangen Jahre war die Produktion auf 165.000 t/a ausgebaut worden. Weitere Meilensteine in 2011 war der Ausbau der aeroben Abwasserreinigungsanlage, die Inbetriebnahme der Biogasanlage und der Blockheizkraftwerke zur Stromerzeugung.

« 2013 »
2013 erfolgte ein weiterer historischer Umbau der Papiermaschine: Verlängerung der Trocken- und Siebpartie, neue Antriebe zur Erhöhung der Geschwindigkeit, neuer Poperoller, neues Glättwerk, neuer Combi-Sizer, Umbau Kondensatsystem, Anpassung Lufttechnik, Errichtung 2. Stärkesilo, Modernisierung der Feinsortierung.
Das zweite Jahrhunderthochwasser verlief glücklicherweise ähnlich glimpflich wie 11 Jahre zuvor.

« Erweiterung zur modernen Papierfabik » (seit 2014)

« 2014 »
Die Produktionsmenge wird erstmalig auf über 200.000 t/a gesteigert. In diesem Jahr wird das Produkt-Portfolio um ein Kraftliner-Ersatzpapier sowie Verpackungspapieren mit Sondereigenschaften – wie zB. flammhemmend, korrosionsschützend, tiefkühlbeständig, fettdicht – erweitert.

« 2015 – 2018 »
In diesem Zeitraum entfielen die folgenden Investitionen: die neue sogenannte „Fischtreppe“ (Fischaufstiegsanlage in der Mulde), die neue Werkseinfahrt, die neue Trockenhaube der Vortrockenpartie, die Modernisierung des Prozessleitsystems der Papiermaschine, ein neuer Anaerob-Reaktor in der Wasseraufbereitung, der Baubeginn der Biomethananlage zur Einspeisung in das öffentliche Erdgasnetzwerk.
Im November 2018 konnte das Jubiläum „125 Jahre Papier aus Trebsen“ gefeiert werden.

« 2020 »
Die neue Hallenlufttechnik wurde in Betrieb genommen.
Das Produkt-Portfolio wird qualitativ durch die Aufnahme eines Topkraftliners (Zellstoffdecke auf Altpapierträgermaterial) nach oben aufgewertet.

Papiermachertradition seit dem 17. Jahrhundert

Die Familie Schulte ist eine alte Papiermacherfamilie. Der älteste nachgewiesene Vorfahr ist Wilhelm Schulte; man weiß, dass seine Frau am 9. Februar 1681 begraben wurde. Er war Papiermacher bei Vorster in Broich (heute ein Stadtteil von Mülheim an der Ruhr). Vor ihm sollen schon drei Generationen Papiermacher gewesen sein.

Wilhelm Schulte

… folgten vier Generationen als Papiermacher, meist bei Vorster in Delstern bei Hagen, zuletzt bei Röpe in Johannestal bei Hemer, ehe Friedrich Schulte (1802-1872) auf Geheiß seines Vaters 1827 die erste Schulte-eigene Papiermühle in der Calle bei Iserlohn erbaute.

Friedrich Schulte

 … hatte vier Söhne und eine Tochter. Die beiden ältesten Söhne Friedrich (1829-1900) und Julius (1831-1888) Schulte gründeten mit Otto Scheffen 1860 die Papierfabrik Gebr. Schulte & Scheffen. Mit dieser Papierfabrik wurde die Papierherstellung in Düsseldorf begonnen. Produziert wurde in erster Linie Zuckerpapier.

Julius Schulte

… machte sich 1886 selbstständig und gründete eine eigene Papierfabrik auf dem südlichen Düsselufer zur Herstellung von Pack- und Hülsenpapieren. Die Rohstoffbasis sämtlicher Papiere waren Lumpen und Altpapiere.

JULIUS SCHULTE starb 1888 kurz nach der Inbetriebnahme der Fabrik.
Seine Nachfolge übernahm zunächst der älteste Sohn Emil (1861 – 1947). Es folgten augenscheinlich Auseinandersetzungen zwischen den Geschwistern, bis 1910 der zweitälteste Sohn – ebenfalls ein Julius (1868 – 1938) – die Geschäftsführung übernahm.
Mitte der 1920er Jahre begann KURT POTHMANN, ein Enkel des Firmengründers, seine Tätigkeit in der Firma; er übernahm 1938 die Geschäftsführung aus den Händen seines Onkels Julius und wurde Alleingesellschafter. Ihm folgten in der Geschäftsführung seine Söhne Dieter (*1927) und Gert (1931 – 2008) Pothmann. Seit ihrem Ausscheiden wurde die operative Verantwortung in außer familiäre Hände gelegt; das Unternehmen befindet sich aktuell in 4. und 5. Generation in direkter Nachfahrenlinie des Gründers.

Julius Schulte Trebsen GmbH & Co. KG

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